Der LHW ist auf der Basis der RICHTLINIE 2007/60/EG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES DER EUROPÄISCHEN UNION vom 23. Oktober 2007 über die Bewertung und das Management von Hochwasserrisiken (HWRM-RL) sowie des §98 Abs. 3 WG LSA mit der Erarbeitung dazu erforderlicher fachlicher Grundlagen beauftragt. Diese basieren auf der Einbindung der Richtlinie sowohl in das bundesdeutsche Wasserhaushaltsgesetz (§73, §74, §75 WHG 2009), als auch nachfolgend in das Wassergesetz des Landes Sachsen-Anhalt (§98 WG LSA 2011). Ziel der Richtlinie ist es, hochwasserbedingte Risiken für die menschliche Gesundheit, die Umwelt, Infrastrukturen und Eigentumswerte zu verringern und zu bewältigen. Zudem soll mit der Richtlinie die Berücksichtigung von Hochwassergefahren im Kontext mit der EG-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) gewährleistet werden (Art. 9 2007/60/EG).

Dies ist im Rahmen eines Drei-Stufen-Programms zu realisieren, wobei die hier vorgehaltenen Ergebnisse sich auf die sog. zweite Stufe der HWRM-RL beziehen, die Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten. Aufbauend auf den bereits im Jahr 2011 erzielten Ergebnissen der   „Vorläufigen Bewertung des Hochwasserrisikos“ (Stufe 1), wurden die Grundlagen der Hochwassergefahrenkarten und Hochwasserrisikokarten für die zuvor ermittelten Gebiete erarbeitet, von den ein potentielles Hochwasserrisiko ausgehen kann. Dabei erfassen die Hochwassergefahrenkarten die geografischen Gebiete, die bei Hochwasser unterschiedlicher Intensität (niedriger, mittlerer oder hoher Wahrscheinlichkeit) überschwemmt werden können. Charakterisiert werden diese Szenarien durch die Angabe des Ausmaßes der Überflutung sowie klassifizierter Wassertiefen.

Darauf aufbauend beinhalten die Hochwasserrisikokarten die potenziell durch Hochwasser bedingten nachteiligen Auswirkungen der in den Hochwassergefahrenkarten dargestellten Szenarien. Diesbezüglich sind Informationen zur Anzahl der potenziell betroffenen Einwohner, der Art der wirtschaftlichen Tätigkeiten, über Anlagen, die im Falle der Überflutung unbeabsichtigte Umweltverschmutzungen verursachen können und potenziell betroffene Schutzgebiete darzustellen. 

Die Erarbeitung der Grundlagen zur Darstellung der Informationen in den Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten basieren auf der Verwendung sog. hydraulischer Modelle, welche möglichst real die topographischen Verhältnisse, die Flächennutzungen sowie die Szenarien bestimmenden Abflussmengen abbilden. Für die zum Junihochwasser 2013 stark betroffenen Gewässer Saale und Weiße Elster fanden zwischenzeitlich Aktualisierungen statt, die bereits in den Karten berücksichtigt sind. Für die Elbe ab Saalemündung und Mulde erfolgen derzeit Überarbeitungen, die die Erkenntnisse des Extremhochwassers vom Juni 2013 ebenfalls berücksichtigen. Infolge der aktuellen Auswertung ist davon auszugehen, dass es auch zur Festlegung neuer statistischer Abflusswerte für die dargestellten Szenarien kommt. Darauf basierend erfolgen neue hydraulische Modellierungen, in deren Ergebnis sich ggf. veränderte Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikogebiete ergeben, die entsprechend in den Karten aktualisiert werden.

Die Umsetzung der Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten erfolgte in unmittelbarer Anlehnung an die bundesweiten "Empfehlungen zur Aufstellung von Hochwassergefahrenkarten und Hochwasserrisikokarten" der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft-Wasser (LAWA 2010).

 

Hochwassergefahrenkarten

In den Hochwassergefahrenkarten werden das Ausmaß der Überflutung sowie die Wassertiefe als Maß der Intensität der Hochwassergefährdung dargestellt. Dies erfolgt gemäß der HWRM-RL für die folgenden Szenarien, wobei die in Klammern stehenden Erläuterungen die Umsetzung im Land Sachsen-Anhalt bezogen auf die Jährlichkeit des statistischen Auftretens beschreiben (z. B. HQ100 = einmal in 100 Jahren erreicht oder überschritten).

Hochwasser mit niedriger Wahrscheinlichkeit bzw. Extremereignisse (HQ200/ HQExtrem OHNE BERÜCKSICHTIGUNG VON HOCHWASSERSCHUTZANLAGEN)

  • Dieses Extremszenario stellt die Flächen dar, die bei einem Abfluss HQ200 überschwemmt werden würden, wenn keine Hochwasserschutzanlagen (Deiche) vorhanden wären oder diese infolge des Extremereignisses total versagen würden.

Hochwasser mit mittlerer Wahrscheinlichkeit (HQ100 MIT BERÜCKSICHTIGUNG VON HOCHWASSERSCHUTZANLAGEN)

  • Dieses Szenario stellt die Flächen dar, die bei einem Abfluss HQ100 und unter Berücksichtigung vorhandener Hochwasserschutzanlagen (Deiche) überschwemmt werden können. Diese Flächen entsprechen weitestgehend den nach §76WHG festgesetzten Überschwemmungsgebieten.

Hochwasser mit hoher Wahrscheinlichkeit (HQ10* MIT BERÜCKSICHTIGUNG VON HOCHWASSERSCHUTZANLAGEN)

  • Dieses Szenario stellt die Flächen dar, die bei einem Abfluss HQ10/HQ20 und unter Berücksichtigung vorhandener Hochwasserschutzanlagen (Deiche) überschwemmt werden können. Diese Flächen werden am häufigsten überflutet.

* Elbe = HQ20

Zur Verdeutlichung der Intensität der Hochwassergefährdung erfolgt eine Abstufung der Wassertiefen in 5 Klassen.


Hochwasserrisikokarten

In den Hochwasserrisikokarten werden für die in den Hochwassergefahrenkarten dargestellten Szenarien die potenziell hochwasserbedingten nachteiligen Auswirkungen dargestellt.
Diese umfassen folgende Informationen:

  • Anzahl der potenziell betroffenen Einwohner (Orientierungswert)
  • Art der wirtschaftlichen Tätigkeiten in Form klassifizierter Flächennutzungen
  • Anlagen von denen Belastungen für die Umwelt ausgehen können (sog. IVU-Anlagen)
  • Schutzgebiete und Badegewässer
  • Kulturgüter in Form von Baudenkmälern/ Bauensembles


In beiden Kartentypen sind zudem Informationen zur Gewässerstationierung, Pegeln sowie zu Hochwasserschutzanlagen (Deiche und Wände) angegeben. In einer ausführlichen Dokumentation über die Erstellung der Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten sowie einem Informationsblatt zu den Karten werden zusammenfassend die Grundlagen, Ergebnisse sowie die Karteninhalte erläutert.

Um sich auf ein mögliches Hochwasser optimal vorbereiten zu können, müssen Behörden, Wirtschaft und Bevölkerung wissen, wohin das Wasser im Fall von Überschwemmungen fließen wird und welche hochwasserbedingten nachteiligen Folgen für die menschliche Gesundheit, die Umwelt, das Kulturerbe sowie wirtschaftliche Tätigkeiten eintreten können. Diese Informationen bieten Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten, die unter den folgenden Links einsehbar sind.

Für Nutzer von Smartphones besteht die Möglichkeit, sich über eine App für iOS oder Android die Hochwassergefahrenkarte für das Szenario eines 100-jährlichen Ereignisses anzusehen. 

 Download der App für iOS:

Download der App für Android: